Nach der Reise

Nach wochenlangem Weltdurchschweifen
Bräucht manches Zeit, um nachzureifen.
Was, grün gepflückt vom Urlaub-Baum,
Getrieben hat die Blüten kaum,
Geschweige denn die süße Frucht.
Doch in des Jahres rascher Flucht
Verwelkt der Reise frisches Reis -
Vergebens legst Du es aufs Eis,
Begießt es mit Erinnerung -
Im Alltag wirds nicht wieder jung.
Du machst verzweifelte Versuche,
Aus Deinem Reisetagebuche
Noch köstlichen Gewinn zu ziehn. -
Die Tage, Wochen, Monde fliehn.
Hast Du nicht Bilder auch gemacht
Und schwarz auf weiß nach Haus gebracht,
Ja, selbst in Farben bunt getaucht,
Was man nur zu entwickeln braucht?
Du schwörst, die längst zu viel gewordnen
Aufnahmen demnächst schön zu ordnen -
Jedoch Du findest keine Ruh:
Schon treibst Du neuen Reisen zu!
Ein Umbruch kommt, ein Krieg dazwischen,
Die Einzelheiten sich verwischen -
Als letzten Rest wirst Du bewahren:
"Da war ich auch - vor dreißig Jahren!"